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Was braucht Berufsorientierung heute?

20. 07. 2021 | Redaktion | Kategorien: Ausbildung, Berufe, Schule, Bildung | TAGs:

Was braucht Berufsorientierung heute?

Unternehmen sollten bei der Berufsorientierung auf einen Mix aus klassischen und digitalen Angeboten setzen. Das zeigt eine Studie des Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung, KOFA, die verschiedene Wege der Berufsorientierung analysiert.

Die Studie untersucht, welchen Herausforderungen die Berufsorientierung aktuell gegenübersteht, wie sich Jugendliche über Berufe informieren und welche Kanäle sie nutzen. Dafür nutzt die Studie Daten einer Befragung von mehr als 1.000 Schüler/innen innerhalb des Programms IW JUNIOR, das Schülerfirmen in Deutschland begleitet.

Die Ergebnisse im Überblick

Eltern sind erste Ansprechpartner

Eltern sind für Jugendliche auch in der Corona-Pandemie nach wie vor die ersten Ansprechpartner im Berufsorientierungs-Prozess. Angebote wie Berufsmessen, Beratung der Agentur für Arbeit, Betriebsbesichtigungen und vor allem Praktika sind 2020 zum großen Teil ausgefallen und konnten nur bedingt durch digitale Formate ersetzt werden. Dabei sind intensive Praxiseinblicke für Schülerinnen und Schüler besonders wichtig und nützlich, um zwischen Wunschvorstellung und Realität zu vergleichen.

Mädchen und Jungen nutzen unterschiedliche Angebote

Die Angebote zur Berufsorientierung werden von Jungen und Mädchen unterschiedlich genutzt:

  • Mädchen nutzen das Internet und Social-Media-Kanäle sowie Informationsmaterial der Schulen und der Berufsberatung der Arbeitsagentur,
  • Jungen griffen mehr auf das Informationsmaterial von Unternehmen zurück und nutzten Betriebsbesuche vor Ort.

Nutzung digitaler Berufsorientierungsangebote

Viele Akteure haben in der Corona-Pandemie digitale Angebote zur Berufsorientierung geschaffen. Diese wurden von rund 28 Prozent der Befragten in Anspruch genommen. Am häufigsten wurden digitale Berufsberatungen angeboten, darüber hinaus digitale Unternehmertalks, Online-Berufsberatungen und virtuelle Ausbildungsmessen.  Digitale Berufsmessen werden an den Schulen nur bei etwa jeder bzw. jedem zehnten Befragten angeboten. Noch weniger verbreitet sind digitale Unternehmertalks.

Soziale Medien sind wichtig

Mehr als jede bzw. jeder vierte Befragte nutzte Social-Media-Kanäle zur Berufsorientierung, dabei vor allem Instagram und YouTube:

  • 83,4 Prozent der YouTube-Nutzerinnen und -Nutzer sahen die Videoplattform als besonders hilfreich an.
  • Instagram wurde von 60,2 Prozent als hilfreich bei der Berufsorientierung eingeschätzt. 

Praxisnahe Informationsangebote

Über 80 Prozent der Befragten wünschten sich eines oder mehrere Angebote zur Berufsorientierung von Unternehmen:

  • Am häufigsten wünschten sich Schülerinnen und Schüler Unterrichtsbesuche, bei denen Unternehmensvertreter in die Schule kommen.
  • Etwa vier von zehn Befragten wünschten sich Unternehmenspraktika.
  • Auch digitale Angebote und Besuche vor Ort waren für etwa ein Drittel der Befragten interessant.
  • Jugendliche möchte Berufsinformationen direkt bekommen und nicht über ihre Eltern. Sie möchten die Gelegenheit haben, Rückfragen stellen zu können.

Diese Berufe sind beliebt

  • Über ein Drittel der Befragten würde gerne einen Studienberuf ergreifen.
  • Etwa 13 Prozent der Befragten interessierten sich für eine berufliche Ausbildung.
  • Ein weiteres Drittel machte keine Angabe.
  • Einer von zehn Jugendlichen wusste noch nicht, ob sie oder er eine Ausbildung oder ein Studium wählen möchte.

Häufig genannte Berufswünsche waren zum einen die kaufmännischen Berufe wie Bürokaufleute oder ein BWL-Studium, zum anderen MINT-Berufe wie eine Ausbildung zur Laborantin/zum Laboranten oder Ingenieursstudiengänge. Nach wie vor sind die Berufswünsche stark geschlechtstypisch geprägt: Während junge Männer sich stärker für MINT-Berufe interessieren, sind junge Frauen eher an Gesundheits- und sozialen Berufen interessiert.

Fazit

Auch während der Corona-Pandemie können Unternehmen in der Berufsorientierung durch digitale Angebote aktiv werden. Mögliche Wege sind digitales Ausbildungsmarketing, digitales Azubi-Speed-Dating, Online Praktika oder Social Media. Unternehmen, die dies anbieten, werden als innovative Arbeitgeber wahrgenommen. Die Autorinnen der Studie empfehlen Unternehmen außerdem, Schulkooperationen zu intensivieren und jungen Menschen mit eigenen Azubis, die aus ihrem Alltag berichten, Einblicke "auf Augenhöhe" zu geben.

Ein weiterer Punkt, den Unternehmen fördern sollten, ist die geschlechtsunabhängige Berufswahl. Dies kann zum Beispiel durch die Teilnahme am Girls´Day oder Boys´Day gelingen, durch eine ausgewogene Ansprache in den Social Media Kanälen oder durch Gendern in Stellenanzeigen.

Hier können Sie sich die gesamte Studie herunterladen: KOFA-Studie 2/2021